Philosophie Chirurgia Ästhetica

Was ist schön?

Es gibt heutzutage kein allgemein gültiges Schönheitsideal, obwohl viele Menschen in der Beurteilung, ob eine Person schön ist, übereinstimmen. Was in westlichen Gesellschaften als schön empfunden wird, muss nicht auch für afrikanische oder asiatische Kulturen gelten. Der jeweilige Schönheitsbegriff unterliegt kulturellen und zeitlichen Einflüssen. Im Barock galten Frauen mit ausgeprägten Rundungen als schön, heute kämen sie eher zur Fettabsaugung. Eingeborene aus Neuguinea mit Tellerlippen und Knochenteilen in Ohren oder Nase könnten sich für westeuropäische Piercings nicht begeistern.

Was schön ist, unterliegt also gesellschaftlichen und zeitlichen Einflüssen. Besonders die veröffentlichte Meinung in Zeitschriften und Fernsehen und ganz besonders die Werbung prägen entscheidend ein aktuell vorherrschendes Schönheitsideal.
Zurzeit gilt z. B. als schön, wer dem folgenden Bild entspricht: schlank und rank, trainiert, aber nicht muskulös und dazu prominente Rundungen an den richtigen Stellen. Dieses Schönheitsideal ist jedoch nicht real, sondern ähnlich einer Fata Morgana existiert es nur in den Köpfen und spiegelt dabei den Zeitgeist wieder. Ähnlich der Entwicklung in der Mode, die sich auch nicht gesteuert entwickelt, werden in den Medien solche Menschen abgebildet, wie sie nach allgemeiner zeitgenössischer Übereinstimmung als "schön" bezeichnet werden.
Darüber hinaus liegt Schönheit nicht nur im Auge des Betrachters, sondern vielmehr in der Vorstellung vom eigenen Selbst."Gefalle ich mir, so wie ich bin?“ Wer dies bejahen kann, ist im subjektiven Sinn schön. Schönheit ist nicht mehr nur eine Frage der Proportionen, sondern heutzutage vielmehr auch eine Frage der Freiheit, Individualität und Toleranz. Das Abweichen von Normen, wie z. B. ein Piercing oder Tattoo, kann eine Ästhetik außerhalb des Zeitgeists begründen und durchaus der Schönheit dienen.
Was aber macht Schönheit aus? - In erster Linie ist Schönheit Harmonie und Ausgewogenheit der Proportionen, der Farben und Formen. Schönheit ist ein Ganzes und aus seinen Einzelteilen nur unzulänglich zu rekonstruieren.Sie setzt sich zusammen aus vielen kleinen, scheinbar unauffälligen Einzelteilen, die in ihrer Summe dann das ergeben, was wir als "schön" bezeichnen. Passen diese Einzelteile wie Steine im Mosaik gut zusammen, stimmen die Proportionen, dann fällt es nicht schwer Schönheit zu attestieren. Werden aber die Proportionen gestört, z. B. durch eine Hakennase im zarten Frauengesicht, ein fliehendes Kinn im schwächlichen Männergesicht, dann können wir keine Schönheit erkennen, auch wenn uns die Person ansonsten sympathisch erscheint. Diese gestörten Proportionen müssen natürlich so ausgeprägt sein, dass sie für jeden erkennbar sind.
Aber das Fehlen von Dysproportionen hat nicht automatisch Schönheit zur Folge. Hierzu bedarf es noch mehr, nämlich einer Ausstrahlung, die bekanntlich von innen kommt. Die Augen als Spiegelbild der Seele spielen hier eine ganz wesentliche Rolle. Diese können strahlen oder weinen, böse oder liebevoll schauen, sie lassen tief blicken oder sehen uns gelassen an. Wenn aber Schlupflider den Blick verstellen oder uns Tränensäcke anspringen, können wir dann ein Gesicht als schön empfinden? Es mag interessant aussehen und ein Charaktergesicht sein, vom Leben geprägt und gezeichnet, aber es ist nicht unbedingt schön.

Die Natur ist nicht demokratisch und verteilt die Schönheit ungerecht. Wir haben (noch) keinen Einfluss darauf, wie unsere Kinder aussehen sollen, außer dass schöne Eltern selten hässliche Kinder haben. Aber ansonsten ist die wirkliche Schönheit ein Geschenk der Natur, unverdient, aber gern angenommen. Wem die Schönheit in die Wiege gelegt ist, der hat unverdiente Vorteile im Leben. Schöne Menschen haben es leichter im Leben. Als Kinder sind sie beliebter, schließen schneller Freundschaften, haben mehr soziale Kontakte. Als Erwachsene können sie leichter Beziehungen knüpfen, haben mehr Möglichkeiten bei der Partnerwahl, bekommen eher eine Stelle und werden von ihren Mitmenschen besser beurteilt.

Eigentlich muss man für eine Schönheitsoperation bereits Schönheit mitbringen. Und der Chirurg kann dann das i-Tüpfelchen draufsetzen. Aber wer wirklich hässlich ist, und leider gibt es auch diese Schicksale, dem kann auch keine Schönheitsoperation helfen. Das eigene Schönheitsideal ist eine individuelle Vorstellung, die der ästhetische Chirurg aufdecken und auf seine Realisierbarkeit hin überprüfen muss.

Die Schönheitsoperation sollte Ihre Persönlichkeit nicht verändern, Sie sollten auch nach der Operation noch Sie selbst, also authentisch sein. Die gelungene Korrektur der Höckernase oder des Hängebusens, der Reithosen oder der Tränensäcke lässt Sie besser, aber noch authentisch aussehen. Außenstehende sollten meinen, Sie hätten schon immer so ausgesehen oder sähen einfach erholter und frischer aus - aber eben nicht operiert.